Was erwartet Sie?



ZIF-Expertinnen und Experten arbeiten in Friedenseinsätzen weltweit, ihre Aufgaben sind also in den jeweiligen Mandaten der Einsätze umrissen. Über die Mandate entscheiden die entsendenden internationalen Organisationen, beispielsweise die EU oder der Sicherheitsrat der UN, in Absprache und auf Einladung der Staaten, in denen der Einsatz statfindet.

Die Aufgabe ziviler Expertinnen und Experten ist es, das Gastland beim (Wieder-)Aufbau ziviler Kapazitäten zu unterstützen – von der Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und dem Schutz der Zivilbevölkerung wie im Kongo über den Ausbau staatlicher Strukturen und demokratischer Teilhabe wie im Südsudan bis hin zum Aufbau eines Justizapparates wie im Irak. Sie sind weder Entwicklungshelfer noch Diplomaten und leisten nur selten Not- oder humanitäre Hilfe.

 

Was Sie tatsächlich im Einsatz einer internationalen Friedens- oder Wahlbeobachtungsmission erwartet, hängt entscheidend vom Einsatzort, von der Mission und von Ihren Aufgaben ab. Oft müssen Sie mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, schwieriger Sicherheitslage, schnell und häufig wechselndem Personal innerhalb der Mission und besonderen kulturellen Herausforderungen rechnen.

Einer unser zivilen Experten bei der EU-Polizeimission EUPOL Afghanistan beschreibt seine Lebens- und Arbeitsbedingungen wie folgt: „Wir leben und arbeiten in einem Compound, d.h. einem abgeschlossenen und gesicherten Areal, auf dem sowohl die Bürogebäude der Mission als auch die Unterkünfte der Mitarbeitenden stehen. Das Gelände ist stark gesichert, rund um die Uhr bewacht und hat einen Bunker, den ich bei bewaffneten Auseinandersetzungen in unmittelbarer Nähe des Compounds bereits von innen gesehen habe. Das Gelände können wir nur in gepanzerten Wagen verlassen. So verbringen wir alle viel Zeit auf dem Compound, wo Leben und Arbeiten eng miteinander verknüpft sind. Durch diese Nähe ist es manchmal schwierig, einen Punkt zu machen und vom Arbeits- auf den Freizeitmodus umzustellen.“

 

Eine andere ZIF-Expertin berichtet hingegen aus ihrem Einsatz in der OSZE-Mission in Tajikistan: „Wenn ich eins sagen kann, dann dass ich mitten unter Tajiken lebe. Ich wohne in einem Stadtteil von Duschanbe, der für seinen bunten Lebensmittelmarkt bekannt ist. Ich falle in meiner Nachbarschaft zwar als Ausländerin auf, werde aber akzeptiert und genieße es, von der Frau vom Kiosk nebenan herzlich begrüßt zu werden, wenn ich mal wieder zu später Stunde einkaufe. Gleichzeitig werden die Aktivitäten der OSZE und ihrer Mitarbeitenden durch die Regierung des Landes beobachtet. Vordergründig bestehen keine direkten Sicherheitsrisiken für mich, doch muss ich genau darauf achten, die Regeln des Landes zu beachten und keine unvorsichtigen Äußerungen von mir zu geben, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im privaten Umgang mit Einheimischen.“

Der Reiz der Arbeit in internationalen Friedenseinsätzen ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen: Sie arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt zusammen – ob im Sudan, in Kosovo oder im Irak.

Das erklärt eine zivile Expertin an einem guten Beispiel: „Spannend, aber auch herausfordernd und manchmal unverständlich ist für mich teilweise die Herangehensweise mancher Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern, wenn es um die Frage geht, welche Standards wir in den von uns entwickelten Trainings vermitteln sollten. Jeder gewichtet und interpretiert anders. Ich musste dabei lernen, welch große Rolle beim Rechtsverständnis der kulturelle und politische Hintergrund eines Juristen spielen kann. Die ein oder andere Situation hat mir dabei einen Spiegel vorgehalten, und ich habe gelernt, mein Rechtsverständnis vor dem Hintergrund meiner eigenen Sozialisation zu reflektieren.“