Kritische Fragen an zukünftige MilitärbeobachterInnen | ZIF-Rollenspieler unterstützten erneut die Ausbildung von MilitärbeobachterInnen für VN-Einsätze

12.07.2017

Scheidegg, im Juli.  „Stimmt es, dass es heute Nacht zu einem Schusswechsel mit Toten und Verletzten kam? Was steckt dahinter?“ Im Gespräch mit dem mazedonischen Teamleader geht es darum, ob die geplanten Wahlen wirklich stattfinden können. Mechthild Henneke und Reinhold Osterhus sitzen in einer Turnhalle und tragen weiße Binden mit blauem „OSCE/ODIHR“-Schriftzug am Arm.

Vor drei Tagen begann die Übung „4PCE“, bei der 28 SoldatInnen aus Deutschland, Kosovo, Kirgistan, Japan, Nigeria und anderen Ländern zu „military experts on mission“ ausgebildet werden. Verantwortlich ist das VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg. Bereits zum neunten Mal findet der Kurs statt, zum dritten Mal sind „role player“ vom ZIF dabei, um das Training zu unterstützen.

Der östliche Landkreis Lindau ist für zehn Tage eine fiktive Konfliktzone. Zwar haben die beiden gegnerischen Parteien einen Friedensvertrag geschlossen, doch immer wieder verstoßen sie dagegen. Die zukünftigen MilitärbeobachterInnen können hier ihr zuvor erlerntes theoretisches Wissen anwenden.

Auch die Vorbereitung von Wahlen ist im Szenario vorgesehen. Deshalb besuchen Henneke und Osterhus regelmäßig die Teams und stellen sie vor Herausforderungen. „Ein Schuldirektor will seine Schule nicht mehr als Wahlbüro zur Verfügung stellen. Er hat seine Zusage zurückgezogen, weil er anscheinend Angst hat“, berichten sie dem Team in Stiefenhofen. „Welcher Minderheit gehört das Dorf an“, fragt der Teamleiter. Höhepunkt der Übung ist eine Mediation zwischen den Konfliktparteien, die die MilitärbeobachterInnen am vorletzten Tag leiten.

„Die Teilnehmenden haben von Tag zu Tag besser verstanden, wie wichtig der Austausch zwischen internationalen Organisationen und MilitärbeobachterInnen ist“, sagte das ZIF-Personal anschließend. Ihr Ziel sei es gewesen, die SoldatInnen für das Thema Wahlen zu sensibilisieren. Das sei gelungen.

Unter den Besuchern der Übung war die Grünen-Bundestagsabgeordnete Doris Wagner, die Mitglied des Verteidigungsausschusses ist. Sie nahm an einem Gespräch teil und übernahm spontan die Rolle einer Repräsentantin des OSCE-Wahlbüros ODIHR in Warschau. „Es war eine interessante Erfahrung, die „role player“ vom ZIF zu beobachten“, sagte sie. Der Vor-Ort-Besuch verdeutliche die Theorie der Kooperation auf eindrückliche Weise.