Vernetztes Handeln | Comprehensive Approach

Der „Vernetzte Ansatz“ (im Englischen: Comprehensive Approach) bietet ein Leitbild für das internationale Krisen- und Konfliktmanagement. Der Ansatz bezweckt,

  • Ressourcen der Diplomatie, der Entwicklungszusammenarbeit, der zivilen Friedenskräfte sowie der militärischen und polizeilichen Sicherheitskräfte,
  • auf nationaler, internationaler und auf lokaler Ebene 
  • ressort- und institutionenübergreifend abzustimmen und – durch Bündelung oder Arbeitsteilung – optimiert einzusetzen
  • mit dem Ziel, internationale (Gewalt-)Konflikte wirksam zu bearbeiten und damit global, in Europa und in Deutschland zu Frieden und Sicherheit beizutragen.

 

In der Umsetzung besteht eine zentrale Herausforderung darin, eine entsprechende kooperative Handlungskultur zu fördern. Zudem sind Institutionen und Instrumente der Krisenprävention bzw. des Krisenmanagement derart zu gestalten, dass Komplexität reduziert wird, die Kohärenz des Handelns zunimmt und zeitnah das Maximum an Ressourcen zur Verfügung steht. Die Vernetzung kann dabei vom bloßen Informationsaustausch über Koordination und Kooperation bis hin zu integriertem Handeln der beteiligten Akteure reichen. Ziel ist nicht die maximale, sondern eine optimale Vernetzung.

Arbeitsgruppe Vernetztes Handeln

Die ressortübergreifende „Arbeitsgruppe Vernetztes Handeln“ im ZIF leistet analytische und konzeptionelle Beiträge, wie der vernetzte Ansatz im friedens- und sicherheitspolitischen Bereich weiterentwickelt werden kann – insbesondere in Hinblick auf internationale Friedenseinsätze. Damit wird die Tätigkeit der „Arbeitsgruppe Vernetzte Sicherheit“ aus der letzten Legislaturperiode fortgesetzt. Diese führte zur Erkenntnis, dass eine Engführung des vernetzten Ansatzes auf Sicherheit alleine nicht zielführend ist. Sicherheit ist ein notwendiges, aber keine hinreichendes Ziel des internationalen Konfliktmanagements.


Der Koordinator der Arbeitsgruppe, die im ZIF-Arbeitsbereich Analyse angesiedelt ist, nimmt seine Aufgabe im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wahr. Seit 2011 entsendet das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) einen Vertreter. Das ZIF übernimmt die Liaison zum Auswärtigen Amt (AA). Die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Inneren (BMI) erfolgt anlassbezogen.


Strategisches Ziel ist vielmehr ein nachhaltiger Frieden bzw. eine umfassende Konflikttransformation. Um diesem übergeordneten Ziel gerecht zu werden, hat sich die Arbeitsgruppe umbenannt. Ihre Prämissen lauten weiterhin:

  1. Friedenseinsätze und Peacebuilding-Aktivitäten sind in aller Regel „multidimensional“ über mehrere Fachgebiete angelegt; sie arbeiten mit einer großen Zahl lokaler und internationaler Akteure zusammen. Das vernetzte Handeln dieser Akteure ist deshalb unabdingbar. Die Vernetzung kann dabei vom bloßen Informationsaustausch über Koordination und Kooperation bis hin zu integriertem Handeln der beteiligten Akteure reichen.
  2. Vernetztes Handeln hat zu akzeptieren, dass bestimmte Akteure aus grundsätzlichen Erwägungen Distanz zu anderen Akteuren wahren wollen und müssen, so z.B. humanitäre Helfer zum Militär (Stichwort: „vernetzter Sicherheitsabstand“).

Diese Positionen haben Eingang in mehrere Dokumente von Bundesregierung und Bundestag gefunden. Zudem hat der 18. Deutsche Bundestag die Empfehlung des Unterausschusses Zivile Krisenprävention und vernetzte Sicherheit von 2013 aufgenommen, den Unterausschuss unter dem Namen „Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“ erneut einzurichten. Die Arbeitsgruppe am ZIF sieht dies als Bestätigung ihrer bisherigen Beiträge.

 

Zu den Aktivitäten der Arbeitsgruppe gehören:

  • Erarbeitung von Policy Briefings, Arbeitspapieren und Stellungnahmen;
  • Beratung des Ressortkreises Zivile Krisenprävention, von Bundesministerien, Bundestag (insbes. Unterausschuss Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln),
  • Beratung von Durchführungsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen;
  • Empfehlungen zu vernetzten Aktivitäten in den ZIF-Arbeitsbereichen Analyse, Training und Human Resources.

Trainingspartnerplattform und gemeinsame Trainingsaktivitäten

Die Komplexität vieler Friedenseinsätze von UN, EU und OSZE erfordert eine Zusammenarbeit von zivilen, polizeilichen und militärischen Missionskomponenten. Deshalb sind gemeinsame Trainings, der Austausch von Erfahrungen und das gemeinsam Nutzen von Ressourcen erwünscht und erforderlich. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2008 die Trainingspartnerplattform gegründet. Ein Großteil ihrer Kurse wird für Beteiligte aller Ressorts und Durchführungsorganisationen angeboten. Einen Überblick über die gemeinsame Arbeit bietet die Broschüre "Training for Peace Operations. The German Contribution", die die Plattform Anfang 2013 veröffentlicht hat.

 

In ihr haben sich das ZIF, das VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg, die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW in Brühl, die Bundespolizeiakademie Lübeck, der Akademie der Polizei Baden-Württemberg sowie die Akademie für Internationale Zusammenarbeit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammengeschlossen. Hinzu kommen die Ministerien des Innern (BMI), für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), und – aufgrund der zunehmenden Entsendung von Richtern und Staatsanwälten – der Justiz (BMJ). 

Zu den gemeinsam entwickelten und durchgeführten Trainingsmaßnahmen gehören:

  • Module der ZIF-Grundkurse und Hostile Environment Awareness Trainings (HEAT) in Kooperation mit dem VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg; 
  • UN-Administration and Field Support mit dem UN-Department for Field Support und der Führungsakademie der Bundeswehr;
  • Mentoring and Advising mit verschiedenen Trainingspartnern; 
  • Interkulturelle Kommunikation und Gender-Kurse mit den Polizeiakademien; 
  • Comprehensive Approaches in Multi-Dimensional Peace Support Operations mit der Führungsakademie der Bundeswehr.

Zu weiteren Kursen der Trainingspartner kann das ZIF Mitglieder seines Personalpools entsenden. 

Zudem nehmen Mitglieder des ZIF-Expertenpools an zivil-militärischen Übungen wie VIKING 18 teil.