Vernetztes Handeln | Comprehensive Approach

Der „Vernetzte Ansatz“ (im Englischen: Comprehensive Approach) bietet ein Leitbild für das internationale Krisen- und Konfliktmanagement. Der Ansatz bezweckt,

  • Ressourcen der Diplomatie, der Entwicklungszusammenarbeit, der zivilen Friedenskräfte sowie der militärischen und polizeilichen Sicherheitskräfte,
  • auf nationaler, internationaler und auf lokaler Ebene 
  • ressort- und institutionenübergreifend abzustimmen und – durch Bündelung oder Arbeitsteilung – optimiert einzusetzen
  • mit dem Ziel, internationale (Gewalt-)Konflikte wirksam zu bearbeiten und damit global, in Europa und in Deutschland zu Frieden und Sicherheit beizutragen.

 

In der Umsetzung besteht eine zentrale Herausforderung darin, eine entsprechende kooperative Handlungskultur zu fördern. Zudem sind Institutionen und Instrumente der Krisenprävention bzw. des Krisenmanagement derart zu gestalten, dass Komplexität reduziert wird, die Kohärenz des Handelns zunimmt und zeitnah das Maximum an Ressourcen zur Verfügung steht. Die Vernetzung kann dabei vom bloßen Informationsaustausch über Koordination und Kooperation bis hin zu integriertem Handeln der beteiligten Akteure reichen. Ziel ist nicht die maximale, sondern eine optimale Vernetzung.

Arbeitsgruppe Vernetztes Handeln

 

Die „Arbeitsgruppe Vernetztes Handeln“ im ZIF leistet analytische und konzeptionelle Beiträge, wie der vernetzte Ansatz im friedens- und sicherheitspolitischen Bereich weiterentwickelt werden kann – insbesondere in Hinblick auf internationale Friedenseinsätze.

Die Prämissen der Arbeitsgruppe lauten:

  1. Friedenseinsätze und Peacebuilding-Aktivitäten sind in aller Regel „multidimensional“ über mehrere Fachgebiete angelegt; sie arbeiten mit einer großen Zahl lokaler und internationaler Akteure zusammen. Das vernetzte Handeln dieser Akteure ist deshalb unabdingbar. Die Vernetzung kann dabei vom bloßen Informationsaustausch über Koordination und Kooperation bis hin zu integriertem Handeln der beteiligten Akteure reichen.
  2. Vernetztes Handeln hat zu akzeptieren, dass bestimmte Akteure aus grundsätzlichen Erwägungen Distanz zu anderen Akteuren wahren wollen und müssen, so z.B. humanitäre Helfer zum Militär (Stichwort: „vernetzter Sicherheitsabstand“).

Diese Positionen haben Eingang in mehrere Dokumente von Bundesregierung und Bundestag gefunden – zuletzt in die Leitlinien „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“. Zudem hat der 19. Deutschen Bundestag erneut einen Unterausschuss „Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“ eingerichtet. Die Arbeitsgruppe am ZIF sieht dies als Bestätigung ihrer bisherigen Beiträge.

 

Zu den Aktivitäten der Arbeitsgruppe gehören:

  • Erarbeitung von Policy Briefings, Arbeitspapieren und Stellungnahmen;
  • Beratung des Ressortkreises Zivile Krisenprävention, von Bundesministerien, Bundestag (insbes. Unterausschuss Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln);
  • Beratung von Durchführungsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen;
  • Empfehlungen zu vernetzten Aktivitäten in den ZIF-Arbeitsbereichen Analyse, Training und Human Resources.

Trainingspartnerplattform und gemeinsame Trainingsaktivitäten

Die Komplexität der meisten Friedenseinsätze von UN, EU und OSZE erfordert Zusammenarbeit von zivilen, polizeilichen und militärischenMissionskomponenten. Deshalb sind gemeinsame Trainings, der Austausch von Erfahrungen und das gemeinsam Nutzen von Ressourcen erwünscht und erforderlich. Vor diesem Hintergrund wurde 2008 die deutsche Trainingspartnerplattform (TPP) gegründet. Einen Überblick über die gemeinsame Arbeit bietet die Broschüre ""Training for Peace Operations. The German Contribution"  sowie die Website der Trainingspartnerplattform.


 

Auf der TPP haben sich das ZIF, das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg, die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) in Hamburg, das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW in Brühl (LAFP), das Institut für Fortbildung in Böblingen der Hochschule der Polizei Baden-Württemberg, die Bundespolizeiakademie Lübeck (BPOLAK) sowie die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammengeschlossen. Die Plattform dient als Informationsdrehscheibe und Raum für Weiterentwicklung gemeinsamer Trainingsaktivitäten. Es finden sowohl ein regelmäßiger Dialog der teilnehmenden Institutionen, ein Austausch von Teilnehmenden als auch folgende, gemeinsame Trainingskurse Themen statt:

  • Comprehensive Generic Training Peace Operations (CGTPO, der ehemalige ZIF-Grundkurs), von ZIF und LAFP Brühl entwickelt,
  • Hostile Environment Awareness Training (HEAT) in Kooperation mit dem VN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr,The Art of Leadership in Peace Operations and Fragile Environments als gemeinsamer Kurs der TPP,Women, Peace & Security durchgeführt bei der Hochschule der Polizei Baden-Württemberg,
  • UN Staff Officer Course (UNSOC) an der Führungsakademie der Bundeswehr,UN Mission Planning Exercise (im Rahmen des LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr, und Mentoring and Advising Kurs mit der Bundespolizeiakademie in Lübeck.

 

Zu weiteren Kursen der Trainingspartner kann das ZIF Mitglieder seines Personalpools entsenden.

Zudem nehmen Mitglieder des ZIF-Expertenpools an zivil-militärischen Übungen wie Viking und der Blue Flag/4PCE Übung teil.