Standby Partnership Network tagt in Den Haag: Humanitäre Sekundierungen in Zeiten multipler Krisen
Vom 6. bis 8. Oktober kamen 44 Vertreter:innen des Standby Partnership (SBP) Netzwerks in Den Haag zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Perspektiven humanitärer Kurzzeiteinsätze von Fachpersonal zu diskutieren. Dem Netzwerk gehören derzeit 23 sekundierende Partnerorganisationen sowie 17 aufnehmende UN-Organisationen an, die von den bereitgestellten Fachkräften profitieren.
Das ZIF ist eine der aktiven sekundierenden Organisationen im SBP-Netzwerk und unterhält aktuell Sekundierungsvereinbarungen mit zehn UN-Partnern. Derzeit unterstützt das ZIF acht UN-Partner (IOM, OCHA, WFP, WHO, UNICEF, UNHCR, UNDP und UNDSS) bei der Besetzung von 22 Positionen in Länder-, Regional- und Hauptquartierbüros. Der Schwerpunkt der Unterstützung liegt dabei aktuell auf den Krisenkontexten Nahost und Sudan.
Netzwerktreffen zur Stärkung schneller Nothilfe
Die halbjährlichen Netzwerktreffen bieten dem ZIF einen wichtigen Rahmen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich humanitärer Sekundierungen gemeinsam mit anderen Partnern zu diskutieren. Im ersten Halbjahr 2026 verfügte das SBP-Netzwerk über eine operative Präsenz von insgesamt 612 Expert:innen weltweit. Die gemeinsame Vision des Netzwerks ist es, hochqualifizierte Expertise sehr schnell bereitzustellen, um humanitäre Einsätze zu stärken, um die Lebenssituation der Menschen dort zu verbessern, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird.
Ziel der regelmäßigen Treffen ist es, die Wirksamkeit des Netzwerks kontinuierlich zu stärken und sicherzustellen, dass sekundierte Fachkräfte bestmöglich auf ihre Einsätze vorbereitet und währenddessen unterstützt werden. Entsprechend standen in Den Haag der Erfahrungs- und Wissensaustausch sowie die Weiterentwicklung gemeinsamer Ansätze im Mittelpunkt.
Mehrwert über technische Expertise hinaus
Diskutiert wurden unter anderem die Verbesserung des Datenmanagements im Netzwerk, eine gemeinsame Ausrichtung zum Thema Lokalisierung sowie die Ergebnisse einer Joint Monitoring Mission zur Rolle sekundierter Fachkräfte in der humanitären Koordinierung in den besetzten palästinensischen Gebieten, Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo.
Die Untersuchung verdeutlichte, dass sekundierte Expert:innen weit über die Bereitstellung technischer Fachkompetenz hinauswirken. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Zusammenarbeit zwischen Organisationen, fördern den Kapazitätsaufbau lokaler Partner und tragen zur nachhaltigen Stärkung lokaler Strukturen und Koordinierungsmechanismen bei.
Fachaustausch mit sekundiertem Personal: Koordinierung unter extremen Bedingungen
Wenige Tage nach dem Netzwerktreffen organisierte das ZIF einen Fachaustausch mit aktuell 22 sekundierten Expert:innen zum Thema „Koordinierung in Krisenkontexten“ unter Teilnahme von Vertreter:innen des Auswärtigen Amts. Die Teilnehmenden berichteten u.a. aus ihren Einsätzen in Westafrika, Nahen Osten und Sudan über die Bedeutung funktionierender Koordinierungsstrukturen für wirksame humanitäre Hilfe.
Anhand der Erfahrungen wurde deutlich, welchen Beitrag Koordinierung zur Verbesserung von Zugängen, zur effizienteren Nutzung knapper Ressourcen sowie zur Förderung von Lokalisierungsansätzen leisten kann. Im Kontext der humanitären Notlage in Gaza wurde Koordinierung als unverzichtbar beschrieben, um unter hochdynamischen Bedingungen in kürzester Zeit gemeinsame Entscheidungen zu treffen, Informationen auszutauschen und sich gegenseitig bei der Bewältigung operativer Herausforderungen zu unterstützen.
Vertrauen und persönliche Beziehungen als Schlüssel
Die Diskussionen machten zugleich deutlich, dass humanitäre Einsätze zunehmend in politisch, geografisch und operativ fragmentierten Umfeldern stattfinden. Umso wichtiger ist eine effektive Koordinierung, die unterschiedliche Akteure zusammenbringt, Doppelstrukturen vermeidet und den Zugang zu betroffenen Bevölkerungsgruppen erleichtert. Erfolgreiche Koordinierung basiert dabei nicht nur auf formalen Mechanismen, sondern vor allem auf vertrauensvollen Beziehungen, persönlichem Austausch und gemeinsamer Problemlösung. Gerade in Krisensituationen sind schnelle Abstimmungen, gegenseitige Unterstützung und ein gemeinsames Verständnis von Rollen und Zielen entscheidend.
Wertvolle Brücke zwischen Praxis und Politik
Für das ZIF und AA bietet der Austausch mit den sekundierten Expert:innen einen wichtigen Einblick in die praktischen Herausforderungen humanitärer Einsätze. Er trägt dazu bei, übergeordnete Entwicklungen wie den Humanitarian Reset oder die Reformagenda UN80 mit den Realitäten vor Ort abzugleichen und besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen internationale und nationale Fachkräfte gemeinsam zur Bewältigung humanitärer Krisen beitragen.