Bekämpfung schädlicher Informationen
In den internationalen Organisationen hat das Bewusstsein für die negativen Folgen von Desinformation und schädlichen Narrativen (harmful information) im Umfeld ihrer Friedenseinsätze in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Als Zielscheibe von Desinformationschädlicher Informationen müssen sich Friedenseinsätze vor Angriffen auf die Mission und ihr Personal schützen und diese abwehren, um Schäden (z.B. Verlust an Vertrauen oder Legitimität) vorzubeugen bzw. diese ggf. zu minimieren. Als Akteur im Einsatzland können sie Teil der Lösung sein, indem sie schädliche Informationen, welche die Mandatsumsetzung (z.B. Unterstützung von Wahlen und Friedensprozessen) beeinträchtigen und die Sicherheitssituation im Konfliktgebiet destabilisieren, in Akutlagen bekämpfen und durch Ursachenbearbeitung vorbeugen.
Im Wesentlichen gibt es für Friedenseinsätze vier Handlungsbereiche, um schädlichen Informationen zu begegnen. Es geht um
- Situational Awareness: die Bedrohung im Informationsraum durch Monitoring und Analyse frühzeitig zu erkennen,
- Response: reaktive sowie proaktive und präventive Maßnahmen wie Strategische Kommunikation oder Community Engagement durchzuführen,
- Resilience: die Resilienz von Einsätzen und Einsatzländern gegen schädliche Informationen zu stärken, was auch den Bereich Cybersicherheit einschließt, sowie
- Cooperation: geeignete Kooperationen mit nationalen und internationalen Partnern aufzubauen.
Entsprechende Aufgaben wurden seit 2019 zunehmend in die Mandate von UN-Friedenseinsätzen integriert (MONUSCO/DRC, MINUSCA/ZAR, UNMISS/Südsudan, die 2023 beendete MINUSMA/Mali sowie UNIFIL/Libanon). So ist MONUSCO in der Demokratischen Republik Kongo im Rahmen ihres PoC-Mandates beauftragt, Misinformation, Desinformation und Hate Speech zu begegnen, wozu die Mission zum Beispiel 2025 Führungspersonen zivilgesellschaftlicher Organisationen in Nord-Kivu im Kampf gegen Desinformation und Hassrede trainierte. Zuletzt war der UN-Sicherheitsrat – so bei der Mandatsverlängerung von UNMISS im Mai 2025 –, in seiner expliziten Aufgabenzuweisung in dem Themenfeld allerdings wieder zurückhaltender.
Die Bekämpfung von schädlichen Informationen wird zunehmend wichtiger für Friedenseinsätze. Missionen mit entsprechenden Aufträgen sind:
- MONUSCO (Demokratische Republik Kongo)
- UNIFIL (Libanon)
- EUPM Moldova (Republik Moldau)
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Die OSZE trägt mit ihren Aktivitäten im Bereich Medien (Förderung des Medienpluralismus und der Informationskompetenz der (Zivil-)Gesellschaft) schon lange zur Stärkung der Resilienz von Gesellschaften gegen schädliche Informationen bei. Elf ihrer aktuell 12 Feldeinsätze haben ein entsprechendes Mandat. Um unabhängigen Journalismus in Nordmazedonien zu stärken, unterstützt die OSZE-Mission in Skopje z.B. die größte Nachrichtenagentur des Landes.
Die EU hat mit ihrer EU Partnership Mission in Moldova (EUPM Moldova) 2023 die erste Mission etabliert, die sich umfänglicher mit Desinformation und externer Einflussnahme befasst. Sie soll die Resilienz des moldawischen Sicherheitssektors im Bereich hybride Gefahren stärken, wozu explizit die Bekämpfung von FIMI (Foreign Information Manipulation and Interference) gehört. Aufgaben in dem Bereich sind die Entwicklung von Strategien, der Kapazitätsaufbau für Frühwarnung und die Unterstützung bei der Implementierung entsprechender Lösungen.
Stand: 19.01.2026