Humanitäre Krise im Jemen: ZIF begrüßt Außenministerin zum Fachgespräch
Angesichts anhaltender Kampfhandlungen und einer dramatischen Verschlechterung der humanitären Lage im Jemen hat das ZIF die jemenitische Ministerin für Auswärtige Angelegenheiten und Expatriates, H.E. Dr. Afrah Abdulaziz Al-Zouba, zu einem hochrangigen humanitären Briefing in Berlin empfangen.
An dem Austausch nahmen Vertreter:innen des Deutschen Bundestags, zuständiger Ministerien, humanitärer Organisationen, ausländischer Botschaften sowie von Nichtregierungsorganisationen und Think Tanks teil. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die akute Versorgungslage der Zivilbevölkerung, die Einschränkungen für humanitäre Hilfsorganisationen sowie die enge Zusammenarbeit der jemenitischen Regierung mit den Vereinten Nationen.
Dramatische Lage in umkämpften Regionen
Von der Gesamtbevölkerung des Jemens, die auf über 40 Millionen Menschen geschätzt wird, waren bereits vor dem erneuten Aufflammen offener Kampfhandlungen mehr als 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Durch anhaltende militärische Aktionen ist ein signifikanter Teil der Zivilbevölkerung für Hilfsorganisationen derzeit kaum erreichbar, was die Verteilung lebensrettender Güter massiv erschwert.
Besondere Besorgnis gilt der Situation in und um Taiz, der drittgrößten Stadt des Landes, die von den Huthis belagert wird. Vor Ort warnen Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) vor einer humanitären Katastrophe infolge akuter Mängel bei der Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln, Medizin und Treibstoff.
Globale Auswirkungen und deutsche Unterstützung
Zusätzliche Sorge bereiten die Aussichten für die kommende Versorgungssicherheit: Da der Jemen in hohem Maße von Weizenimporten aus der Ukraine abhängt, wirken sich Handelshemmnisse im Schwarzmeerraum mit einer zeitlichen Verzögerung von rund drei Monaten direkt auf die fragile Ernährungssituation vor Ort aus.
Als Reaktion auf die verschärfte Krise erhöht die Bundesregierung ihre humanitäre Unterstützung für den Jemen um weitere 10 Millionen Euro auf insgesamt 38 Millionen Euro. Außenminister Wadephul, der die Außenministerin am selben Tag vorab traf, bekräftigte in diesem Zusammenhang die Bereitschaft Deutschlands, einen inklusiven politischen Prozess zur Beendigung der Gewalt und zur Stabilisierung des Landes aktiv zu begleiten.
Das ZIF dankt H.E. Dr. Afrah Abdulaziz Al-Zouba für ihren Besuch und die wertvollen Einblicke sowie allen Teilnehmenden für den konstruktiven und wichtigen Dialog.