Direkt zum Inhalt

Europäische Sekundierungsorganisationen fordern stärkere Leitlinien für Youth, Peace and Security in zivilen GSVP-Missionen

EU
| ZIF-Meldung
EU Youth, Peace and Security Conference and YPS Week in Brussels, November 2025 EU Youth, Peace and Security Conference and YPS Week in Brussels, November 2025 | © Anthony Fedorov

Zivile Missionen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) beziehen junge Menschen zunehmend in ihre Arbeit ein. Die Agenda zu Youth, Peace and Security (YPS) ist jedoch bislang noch nicht konsequent in die Missionsplanung, Berichterstattung und Evaluierung integriert. Nach gemeinsamen Expert:innendiskussionen im Jahr 2025 weisen drei europäische Entsendeorganisationen auf die Notwendigkeit klarerer operativer Leitlinien hin, um die Missionen dabei zu unterstützen, politische Verpflichtungen in die Praxis umzusetzen.

Die Diskussionen wurden von der Folke Bernadotte Academy (FBA), CMC Finland und dem Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) im zehnten Jubiläumsjahr der Resolution 2250 des UN-Sicherheitsrats zu Youth, Peace and Security einberufen. Sie brachten Expert:innen und Praktiker:innen zusammen, um zu untersuchen, wie Perspektiven junger Menschen besser in zivilen GSVP-Missionen berücksichtigt und Teil der Mandatsumsetzung werden können.

In vielen Einsatzkontexten ziviler GSVP-Missionen, darunter Kosovo, Mali und die Zentralafrikanische Republik, stellen junge Menschen einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung. Viele von ihnen engagieren sich aktiv in lokalen Initiativen zur Friedensförderung, zur Stärkung der Sicherheit in ihren Gemeinschaften und zum Dialog, sind jedoch in formalen Entscheidungsprozessen häufig unterrepräsentiert.

Eine zentrale Schlussfolgerung der Diskussionen war, dass zwar wichtige Fortschritte erzielt wurden, die Umsetzung jedoch weiterhin uneinheitlich bleibt. Mehrere Missionen haben vielversprechende Ansätze entwickelt, darunter Konsultationen mit Jugendlichen, Outreach-Aktivitäten, jugendsensible Analysen, Mechanismen zur Einbindung der Bevölkerung sowie interne Koordinierungsstrukturen, die mit der Umsetzung des Mandats verknüpft sind. Diese Bemühungen hängen jedoch häufig von Einzelinitiativen ab und beruhen nicht auf systematischen operativen Ansätzen.

„Die Frage ist nicht, ob junge Menschen für Frieden und Sicherheit relevant sind, sondern ob Missionen über die Instrumente verfügen, ihre Perspektiven systematisch in Analyse, Planung, Umsetzung und Berichterstattung einzubeziehen“, sagte Per Olsson Fridh, Generaldirektor der FBA.

Von politischen Verpflichtungen zur operativen Praxis

Der Civilian CSDP Compact von 2023 verlieh der Agenda zu Youth, Peace and Security neuen Schwung, indem zivile GSVP-Missionen verpflichtet wurden, YPS zu fördern, und der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) mit der Umsetzung des EU-Jugendaktionsplans 2022 im Rahmen des auswärtigen Handelns der EU beauftragt wurde. Ein spezielles Mini-Konzept aus dem Jahr 2024 hat seither praktische Ansatzpunkte für Missionen bereitgestellt. Dazu gehören die systematische Berücksichtigung von Jugendperspektiven, die Unterstützung von YPS-Aktionsplänen und -Rahmenwerken der Gaststaaten, die Stärkung von Kapazitäten durch Schulungen und Beratungsangebote sowie die Entwicklung jugendsensiblerer Monitoring-Ansätze.

„Der politische Rahmen ist zunehmend vorhanden. Der nächste Schritt besteht darin, YPS für die tägliche Missionsplanung, die Beratungsarbeit und das Monitoring nutzbar zu machen und anschließend im Rahmen der Mandatsumsetzung darüber Bericht zu erstatten“, sagte Direktor Timo Hämäläinen von CMC Finland.

Vielversprechende Ansätze in verschiedenen Missionen

Beispiele aus den Missionen zeigen, wie Youth, Peace and Security in die Praxis umgesetzt werden kann. EUCAP Sahel Mali hat beispielsweise mit jungen Sicherheitsanwärter:innen gearbeitet und lokale Sicherheitskomitees unterstützt, in denen Jugendorganisationen ihre Perspektiven zu lokalen Sicherheitsfragen einbringen.

Andere Missionen haben Konsultationen mit Jugendlichen, jugendsensible Analysen, Mechanismen zur Einbindung der Bevölkerung sowie die interne Koordinierung über verschiedene Mandatsbereiche hinweg gestärkt. In EULEX Kosovo hat beispielsweise ein Netzwerk von Youth Focal Points dazu beigetragen, die Koordinierung jugendbezogener Aktivitäten in den verschiedenen Mandatsbereichen zu verbessern.

Diese Ansätze können das Verständnis der Missionen für lokale Sicherheitsdynamiken verbessern, das Vertrauen der Bevölkerung stärken und Maßnahmen zur Unterstützung der Bereitstellung von Sicherheitsleistungen besser an die Lebensrealitäten der Gesellschaften anpassen, in denen zivile GSVP-Missionen tätig sind.

Youth, Peace and Security systematischer verankern

Die Expert:innendiskussionen machten außerdem deutlich, dass ein Bedarf an stärker standardisierten operativen Leitlinien besteht. Die Teilnehmenden betonten den Nutzen einer klareren Verankerung von YPS in der operativen Planung, etwa durch standardisierte Formulierungen in Vorlagen für Operationspläne (OPLAN) und anderen relevanten Planungsdokumenten, beispielsweise neben Aspekten der Menschenrechte und der Geschlechtergleichstellung. Eine stärkere Verknüpfung mit Berichterstattung und Evaluierung würde zudem dazu beitragen, Jugendperspektiven als Querschnittsthema und nicht als eigenständige Aktivität zu behandeln. Darüber hinaus würde eine stärkere Berücksichtigung der Jugendperspektive in der Analyse das allgemeine Lagebild verbessern.

Für FBA, CMC Finland und ZIF ist dies auch eine praktische Priorität. Als Sekundierungsorganisationen unterstützen die drei Einrichtungen das zivile Krisenmanagement durch Rekrutierung, Ausbildung, Fachwissen und Sekundierungen. Das Personal hat bereits im Rahmen der Vorbereitung auf Einsätze im zivilen Krisenmanagement Zugang zu YPS-Schulungen, und die Organisationen halten weiterhin Kapazitäten für spezialisierte Trainings, Fachaustausch und die Koordinierung zwischen YPS-Ansprechpersonen vor. FBA und ZIF haben darüber hinaus YPS-Expert:innen an andere internationale Organisationen entsandt, darunter die Vereinten Nationen, die OSZE und den Europarat.

„Sekundierungsorganisationen spielen eine wichtige Rolle dabei, die Fachkompetenz zu stärken, auf die Missionen zurückgreifen können. Durch Ausbildung, Rekrutierung und den fortlaufenden Austausch zwischen Praktiker:innen können wir dazu beitragen, YPS im zivilen Krisenmanagement sichtbarer und praxisnäher zu machen“, sagte die Geschäftsführerin des ZIF, Dr. Astrid Irrgang.

Durch die Weitergabe der Erkenntnisse aus den Diskussionen des Jahres 2025 wollen FBA, CMC Finland und ZIF die weiteren Bemühungen unterstützen, YPS zu einem systematischeren Bestandteil ziviler GSVP-Missionen zu machen und seine Weiterentwicklung als wichtiges Instrument des EU-Krisenmanagements voranzutreiben.