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MSC 2026: ZIF und SIPRI diskutieren Zukunft internationaler Krisenbewältigung

| ZIF-Meldung
Participants at the side event organised by ZIF and SIPRI at the Munich Security Conference. Experts from politics, multilateral organisations and conflict-affected states at the side event organised by ZIF and SIPRI at the Munich Security Conference. © MSC/Andreas Schaad

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2026 haben das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) und das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) zum 4. Mal in Folge ein hochaktuelles Side Event im Hotel Bayerischer Hof durchgeführt. Unter dem Titel „Peace on a Shoestring? Maintaining international crisis management in times of financial scarcity“ diskutierten internationale Expert:innen aus Politik, multilateralen Organisationen und konfliktbetroffenen Staaten über die Zukunft internationaler Krisenbewältigung unter Bedingungen knapper Ressourcen.

Die diesjährige MSC war geprägt von einer Rekordbeteiligung hochrangiger Entscheidungsträger:innen und intensiven Debatten über die geopolitische Lage. Fragen des Peacebuilding und des zivilen Krisenmanagements standen nicht im Zentrum des Hauptprogramms. „Rearmament without remilitarisation“ und unter Nutzung der zivilen Fähigkeiten für politische Lösungen: hierfür bot der Side-Event von ZIF und SIPRI einen Debattenraum

Globale Perspektiven auf multilaterale Handlungsfähigkeit

Das Panel vereinte eine diverse und globale Zusammensetzung von Stimmen:

  • Mo Ibrahim, Gründer der Mo Ibrahim Foundation, eröffnete die Diskussion mit einer kritischen Analyse des Zustands der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und weiterer Regionalorganisationen.
  • Ottilia Anna Maunganidze vom Institute for Security Studies plädierte für kleinere, gezieltere und kontextangepasste Ansätze im afrikanischen Krisenmanagement.
  • Amre Moussa, ehemaliger Generalsekretär der Arabischen Liga, stellte die grundsätzliche Frage, ob der Begriff „Krisenmanagement“ angesichts anhaltender Konflikte zu ambitionslos sei, und warb für neue Partnerschaften, insbesondere zwischen mittelgroßen Staaten.
  • Habib Ur Rehman Mayar, stellvertretender Generalsekretär der g7+, betonte das Potenzial interregionaler Mechanismen sowie die Bedeutung von Erfahrungen aus fragilen Staaten für dringend notwendige Reformen der Vereinten Nationen.
  • Vanessa Frazier, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte, unterstrich die Rolle auch kleiner und mittlerer UN-Mitgliedstaaten bei der Durchsetzung zentraler friedenspolitischer Anliegen, selbst im Sicherheitsrat.

Vanessa Frazier hob die besondere Verantwortung der Mitgliedstaaten hervor:

“At a time of profound geopolitical and financial pressure, maintaining effective international crisis management is not optional – it is essential. Multilateralism matters, and as the United Nations approaches its 80th anniversary, its convening power, legitimacy, and global reach matter more than ever. While the UN must continue to reform and strengthen itself, sustained political and financial support from Member States is critical to ensure that UN institutions can deliver the protection, stability, and services that people around the world urgently need.”

Neue Allianzen, lokales Wissen, langfristige Stabilisierung

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass internationale Krisenbewältigung trotz finanzieller Engpässe handlungsfähig ist. Mehrfach wurde angeregt, die Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Bereich Verteidigung und Militär zu vertiefen, da diese um die Vorteile integrierter Ansätze aus Friedensförderung und Entwicklungszusammenarbeit seit Langem wissen.

Zugleich betonten die Teilnehmenden die Bedeutung lokaler Expertise, die Stabilisierung von Lebensgrundlagen, insbesondere im Kontext des Klimawandels, sowie flexiblere Formate jenseits klassischer Friedensmissionen.

Einigkeit bestand darüber, diese Debatten künftig im Hauptprogramm der MSC führen zu wollen. Für ZIF und SIPRI bietet sich im kommenden Jahr eine besondere Gelegenheit: 2027 wird das fünfte Jahr ihrer Zusammenarbeit bei der Münchner Sicherheitskonferenz markieren.

ZIF-Geschäftsführerin Dr. Astrid Irrgang moderierte zudem eine Townhall zur Lage im Sahel mit dem Titel „Point of Return: Reengaging with the Sahel“ im offiziellen MSC-Hauptprogramm und setzte damit zusätzliche Impulse für eine stärkere Verankerung von Peacebuilding-Themen auf der internationalen sicherheitspolitischen Agenda.